Neulich war ich in einer Picasso-Ausstellung mit dem Titel „Fenster zur Welt“ und kam in den Genuss, echte Gemälde Picassos aus nächster Nähe betrachten und bewundern zu können. Ich finde es toll,  die einzelnen Pinselstriche der Meisterwerke zu sehen und sich vorzustellen, wie der Maler genauso nah über diesem Kunststück hing. Hier und da waren die Leinwände sogar gänzlich unbearbeitet; oft sah es auch so aus, als hätte er wahnsinnig schnell über die Leinwand gepinselt. 

Pablo Picasso hatte noch im Jahr 1972 Kunstwerke erschaffen und war einer der wenigen Künstler, die bereits zu Lebzeiten berühmt waren. Meist verbindet man mit ihm surrealistische oder kubistische Gemälde aus zerlegten Figuren und Objekten. Aber er malte nicht immer in diesem Stil. Als Sohn eines Kunstlehrers begann er schon mit acht Jahren, fantastisch zu malen. Mit 16 Jahren konnte er perfekte Kopien von Gemälden der großen Meister wie Rembrandt, Rubens oder Matisse anfertigen. Aber das befriedigte ihn nicht.

„Ich konnte schon früh zeichnen wie Raphael, aber ich habe ein Leben lang dazu gebraucht, wieder zeichnen zu lernen wie ein Kind.“

1900 zog er mit einem Freund nach Paris. Das bohemistische Leben in Pariser Bars faszinierte ihn ebenso wie die impressionistische und farbenfrohe Malerei von Künstlern wie Cézanne oder Toulouse-Lautrec. Daraufhin schuf Picasso farbenfrohe Werke, die das Leben in Pariser Bars darstellten – wie das „Moulin De La Galette“.

Der plötzliche Selbstmord seines Freundes im Jahr 1901 erschütterte Picasso, was sich grundlegend auf seinen Malstil auswirken sollte. Es war der Beginn seiner Blauen Periode: sämtliche Gemälde waren von nun an in Blautönen gehalten; er zeigte Isolation, Einsamkeit, Trauer, Verzweiflung. Er malte emotional und melancholisch; weniger perfekt, sondern mehr, was er fühlte. Sowas hatte es bis dahin noch nie gegeben! Picasso definierte die Farbe blau als Farbe der Traurigkeit im 20. Jahrhundert.

Nach mehreren Städtewechseln ließ sich Picasso endgültig in einem einfachen Haus in Paris, Montmartre, nieder. Er verliebte sich in eine Frau namens Fernande. Seine überwiegend blauen Gemälde erhielten mehr Wärme – Picassos Rosa Periode begann und Kunstwerke wie „Garçon à la pipe“ entstanden – übrigens eines der teuersten Gemälde der Welt.

Picasso interessierte sich für seine spanischen Wurzeln und schaute sich eines Tages in Paris Skulpturen spanischer Ureinwohner an, die mit sehr eckigen und großen Augen dargestellt wurden. Er begann, diese Augenform in seine Porträts, zuerst in das berühmte Porträt von Gertrude Stein, einzubauen. Die Rauheit afrikanischer Masken faszinierte ihn. Mit seinem Bildnis der fünf Prostituierten „Les Demoiselles d’Avignon“ begann er erstmals, seinen als heute bekannten Stil auf die Leinwand zu bringen. Der Betrachter sieht in rohe, schlitzäugige Gesichter; mehrere Ansichten des Körpers werden gleichzeitig dargestellt. Picasso läutete damit 1907 den Kubismus ein – und schockte die Welt.

Es war in einer Zeit des Aufbruchs und der technischen Erfindungen wie Licht, Flugzeuge oder Filme. Picasso wollte mit seiner Malerei alltägliche Objekte in seine Einzelteile zerlegen, er wollte alles, was er darüber wusste und empfand, darstellen. Die Linien und Formen seiner Gemälde erinnerten an die herausragenden wissenschaftlichen Erfindungen seiner Zeit.

„Ich male nie ein Bild als Kunstwerk. Alle sind sie Forschungen“

Picasso entwickelte sich stetig mit seiner Malerei weiter. Es gibt unzählige Bücher, Berichte, Ausstellungen oder Filme über ihn. Beeindruckend groß war sein Tatendrang; schaffte er es doch, vom mittellosen Kunststudenten zu einem unsterblichen Genie zu werden.

Weitere interessante Fakten zu Picasso

  • Picasso ist der Mädchenname seiner Mutter. Der seines Vaters ist Ruiz, was aber ein sehr gebräuchlicher Name in Spanien ist. Zudem steckt in dem Namen seiner Mutter das spanische Wort für „picard“ – auf Deutsch „stechen“, „piksen“ – eine Anspielung auf seine provozierende Kunst.
  • Er konnte malen, bevor er reden konnte. Sein erstes Wort war spanisch für „Pinsel“.
  • Picasso revolutionierte mit dem Kubismus die Architektur, Mode, Skulpturen und mehr.

    Kubistisches Porträt von Picasso des Künstlers Juan Gris
    Kubistisches Porträt von Picasso des Künstlers Juan Gris

Ein Gedanke zu „Picassos Inspiration

  1. Ein sehr interessanter Beitrag! Picasso kennt zwar( fast ) jeder, aber das beschränkt sich wahrscheinlich
    fast ausschließlich auf seinen Malstil bzw. einige seiner Bilder.
    Auch ich habe über die Person Picasso einiges dazu gelernt .

    Diana

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